Samstag, 20. Juli 2002

Ostafrikatrekking am Mount Kenya und Besteigung des Kilimandscharo im Juli 2002


Hier finden Sie Bilder und Tagebucheinträge über meine Trekkingtour 
am Mount Kenya und die Besteigung des Kilimandscharo im Juli 2002 
mit Dres. Karin und Richard Storkenmaier und Gabi und Wolfgang Boehnel.

Autorin dieses Textes: Dr. Karin Storkenmaier


Mount Kenya

Vulkanmassiv, besser gesagt stehen gebliebene Vulkanschlote mit 3 Hauptgipfeln: Batian (5.199 m), Nelion (5.188 m), jeweils reine Klettergipfel und Point Lenana (4.895 m) als Trekkinggipfel.

Unsere Tour bewegte sich im gleichnamigen Nationalpark. Ausgangspunkt für alle Touren ist der Ort Naro Moru und dort die gleichnamige Lodge. Sicherlich gibt es auch andere (billigere) Unterkünfte und Touranbieter im Ort. Durch unseren Reiseveranstalter waren wir gut in der Naro Moru River Lodge untergebracht – dort sind viele Infos über geplante Touren erhältlich.



Zielpunkt für Trekkinggruppen ist der Point Lenana, der über verschiedene Routen erreichbar ist. Für alle Routen ist die Mitnahme von Zelten sinnvoll, Proviant muss mitgeführt werden. Auch wenn einige Lager den Namen "Hut" tragen, sind dies keine Schlafquartiere. Unterkunftsmöglichkeiten bestehen im Mackinders Camp. Ein einheimischer Guide und Porter erleichtern die Tour.
Die kürzeste Anfahrt geht von Naro Moru über eine bei trockenen Verhältnissen gute Piste (kann sich in der Regenwaldzone täglich ändern) zur Meteorologischen Station (3.050 m) und dann zu Fuß in 2-3 Tagen bis zum Gipfel. Dieser Zustieg kann allerdings erhebliche Höhenprobleme bereiten. Wir wählten den längeren, landschaftlich sehr schönen Zustieg von der Ostseite der Berges, die Chogoria-Route. Dazu fährt man mit einem geländegängigen Fahrzeug in 5-6 Stunden um den halben Berg, um dann ebenfalls über bei Nässe problematische Lehmpisten an den Berg zum ersten Camp zu kommen. Je nach Witterung kann das Camp auch nur noch zu Fuß erreicht werden. Unser Abstieg führte uns dann zur Met. Station, wo wir abgeholt wurden.

Technische Schwierigkeiten bieten die Routen zum Point Lenana alle nicht. Es spielt sich allerdings alles in großer Höhe ab. Am Point Lenana gibt’s ein paar Schrofen zu überwinden, die bei guten Witterungsverhältnissen harmlos sind. Leider sind auch die Gletscher am Mount Kenya von einem schnellen Schwund betroffen, so dass auf dem Normalweg zum Gipfel keine Gletscherbegehung mehr erforderlich ist. Trotz Afrika kann es am Berg und nachts kalt werden. Regenschutz ist für die Passagen durch die Regenwaldzone erforderlich.

28.6 .02 - 1. Tag

Flug mit KLM von Stuttgart-Amsterdam (Deutschland) bzw. Wien-Amsterdam (Austria) nach Nairobi (Kenia) und Transfer zum Hotel Boulevard.

Wir kommen nach ca. 8 Stunden Flug gegen 20:15 Uhr in Nairobi an. Das Visum für Kenia haben wir zuvor über die Botschaft in Berlin bzw. Wien angefordert (Kosten 57 Euro/Pers.) und innerhalb einer Woche unsere Reisepässe zurück bekommen. Die Kontrollen durch die Grenzbehörden sind problemlos. Unser Fahrer Paul wartet schon mit dem "Bergspecht-Schild" in der Hand und steuert uns sicher durch den für Afrika so typischen Verkehr zum Hotel. Schon kurz nach 21:00 Uhr sitzen wir gemütlich beim ersten Bier, beäugen die Beleuchtung und suchen nach Moskitos - keine da! Gabi, Karin, Wolfgang und Richard werfen ihr Malarone® ein, Martin vertraut auf Autan® und ähnliches. Wir verschwinden bald in die Betten.

29.6.02 - 2. Tag

Transfer zur Naro Moru River Lodge
Übernachtungshöhe 1.900 m - Frühtemperatur in Nairobi 20 °C

Aufstehen um 8:00 Uhr. Die Nacht war laut, das Hotel liegt an einer belebten Straße (ach ja, darum Hotel Boulevard), wie gut, dass wir Ohropax® im Gepäck haben. Das Frühstücksbuffet bietet Eier in allen Varianten - Speck - fettige Würstchen - warme Tomaten - Toast - Tee - Kaffee - aber auch viele Früchte und Saft. Kurzum: von den Früchten mal abgesehen ein typisch englisches Frühstück; es sollte nicht das Letzte gewesen sein. Paul wartet schon und bringt uns nach etwa 4stündiger Fahrt zur Naro Moru River Lodge, die etwa 200 km nordöstlich von Nairobi liegt. Achtung bei Stops - Diebstahl! Dicke dunkelgraue Wolken verdecken den Blick auf den Mount Kenya und lassen Regen vermuten. Wir sind von der Anlage alle gleich begeistert. Auch die Zimmer sind komfortabel, sehr geräumig und mit offenem Kamin. Von der Veranda der Lodge Nr. 28 haben wir gegen Abend den ersten Blick auf das Bergmassiv. Wir genießen im Garten einen Drink und besprechen anschließend den Ablauf der nächsten Tage und Organisatorisches mit Mr. Mbugua. Dabei lernen wir unseren Guide John kennendurch den wir uns gut beraten und betreut fühlen, was sich während der gesamten Mt. Kenya-Tour bestätigt. Dann Packen für 6 Tage Berg - der Rest kann in der Lodge bleiben. Zelte werden gestellt, wir haben nur unsere Schlafsäcke und Thermarestmatten dabei. 19:30 Uhr Abendessen: Tomatensuppe, Lamm, Fisch, Reis, Kartoffeln... wir schlagen uns nochmals richtig den Bauch voll. 22:00 Uhr Zeit fürs Bett. Die Deutsche Welle meldet:Türkei gewinnt gegen Korea mit 3:2 und wird WM-Dritter.

30.6.02 - 3. Tag

Transfer Naro Moru River Lodge - Gate zur Chogoria-Route, Fahrzeit 7-8 Std. - Übernachtungshöhe 2.360 m - Frühtemperatur 17 °C

5:30 Uhr Wecken. Klare Sicht auf Mount Kenya. 6:00 Frühstück, 7:20 Uhr Abfahrt in einem alten Mercedes-Lkw mit dem wohlklingenden Namen Giant Lobelia. Schön ist das alte Gefährt, hoffentlich geht der mühsam angeschobene Motor nicht mehr aus... Die Ladefläche ist umgebaut und bietet Sitzplätze für 10 Porter, unseren Koch und Guide John und natürlich für uns 5. Wir umfahren den Mount Kenya Richtung Norden und erreichen bei Nanyuki den Äquator. Unsere Porter haben mit Stockschirmen bewaffnet den Lkw bestiegen, was uns Schlimmstes befürchten lässt. Mit John gehen wir durch die Stadt und kaufen (obwohl Sonntag) Schirme zu 200 Keniashillinge. Dann folgt eine eindrucksvolle Vorstellung über das Verhalten von abfließendem Wasser 20 Meter nördl. bzw. südl. des Äquators. Staunen macht sich breit: auf der Nordhalbkugel dreht sich ein Strohhalm auf der Wasseroberfläche im Uhrzeigersinn, südlich des Äquators im Gegenuhrzeigersinn, auf dem Äquator gibt es keine Drehung.

Das ist angewandte Physik in Form der Coriolis-Kraft. Nach einem weiteren Stop in Chogoria verlassen wir hier die geteerte Straße und fahren weitere 2 Stunden durch den Regenwald auf immer schlechter werdendem Untergrund bergauf. Die Fahrt endet abrupt auf 2.360 m in einer feuchten Lichtung des Regenwaldes. Hier schlagen wir in einer Senke unsere Zelte auf. Bald darauf gibt es Tee, Kekse und Kuchen. Unsere guten Stockschirme kommen tatsächlich zum Einsatz, als ein 5 Min. anhaltender Regenguss versucht, unseren Tee zu verdünnen. Das war dann aber für dem ganzen Urlaub der einzige Beitrag zum Thema Regen und Regenwald. Überall sind Spuren von Bergelefanten, wir sehen aber leider keine. Um 18:20 Uhr gibt es Abendessen - Tomatensuppe - Fisch - Kartoffeln - Erbsen - Karotten und wieder viel Tee. Bald darauf ist es stockdunkel und unsere Stirnlampen kommen zum Einsatz. Die Nacht wird sternenklar. Der Kontakt zu unserer Mannschaft ist noch nicht so eng, die Träger wirken etwas schüchtern, sind sehr zurückhaltend. Wir verschwinden um 20:30 Uhr in unsere Zelte. Deutschland unterliegt Brasilien mit 2:0 und wird Vizeweltmeister.

1.7.02 - 4. Tag

Ausgangspunkt bis zum „Camp en route“ Gehzeit ca. 5 Std. - Aufstieg ca. 1.000 m, Übernachtungshöhe 3.300 m - Frühtemperatur 2 °C

Wecken um 6:00 Uhr, um 8 Uhr ´geht´s weiter - zu Fuß natürlich. Unsere Rucksäcke wiegen zwischen 8 und 12 kg, die Last unserer Träger zwischen 18 und 25 kg. AKKLIMATISATION !! Sehr langsam gehen !!! Einfacher gesagt als getan. Der Weg zieht sich hinauf durch Bambuswald und die Vegetation ändert sich erneut. Wir machen Lunchpause am Nationalpark Gate (2.950 m)- gebratene Hühnchenteile - Tomaten - Sandwichs - Käse und wieder viel Tee. Während der 3-stündigen Nachmittagswanderung durch Steppengras sehen wir Buschböcke. Das Lager liegt in der Heidelandzone auf 3300 man einem schönen Bach mit Wasserfall, an dem es sich gut waschen lässt. Wunderschöne Senezien und wilde Gladiolen sind ideale Fotomotive – alles erinnert an einen botanischen Garten. Nach dem Abendessen versammeln wir uns alle wieder in der "Küche". Martin fragt John, ob die Porter nicht kenianisches Liedgut zum Besten geben könnten - sie können und singen den ganzen Abend. Wir lernen das Lied Jambo, jambo Buana.

2.7.02 - 5. Tag

Camp en route – Minto´s Hut, Gehzeit ca. 5 Std. - Aufstieg ca. 1.000 m, Übernachtungshöhe 4.230 m - Frühtemperatur 7 °C


6:00 Uhr Aufstehen, wir erleben einen schönen Sonnenaufgang und schauen das erste Mal auf die Wolkendecke unter uns. Karin meldet 7 Grad Celcius. Pancakes und Porridge zum Frühstück, Aufbruch um 7:40 Uhr. AKKLIMATISATION !! Sehr langsam gehen !!! Der Weg führt wechselnd steil immer am Rand des landschaftlich sehr eindrucksvollen Gorge Valleys mit seinen senkrechten Klippen entlang. Die Senezien werden immer zahlreicher. Für Botaniker ein Eldorado. Durch trickreiche Schutzmechanismen schaffen es diese Pflanzen, sich den Widrigkeiten der kalten Bergwitterung bestens anzupassen. Wir erreichen um 13:00 Uhr Minto´s Hut auf 4230 m. Das Barometer zeigt nur noch 615 hPa, Karin hat leichte, Gabi starke Kopfschmerzen. Wir erkunden die Gegend, machen Fotos vom Gorge Valley mit der über 500 m steil abfallenden Wand. Überall stehen riesige Senezien und Lobelien, dazwischen tummeln sich Klippschliefer, die an unsere Murmeltiere erinnern. Das Herumklettern fällt auch ohne Rucksack schwer. Nach dem Sonnenuntergang liegt kurze Zeit später Raureif auf unseren Zelten. Die Deutsche Welle meldet ein Flugzeugunglück bei Überlingen in der vergangenen Nacht. Wir versuchen mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Nicht ganz einfach, da die Oberflächen von Schlafsack und Thermarestmatte sehr glatt ist.

3.7.02 - 6. Tag

Minto´s Hut – Austrian Hut – Point Lenana (4.985 m, Überschreitung) – Kami Hut (Camp) - Gehzeit ca. 4 Std. Aufstieg, Abstieg 1 Std.30, Aufstieg ca. 900 m, Abstieg 700 m - Übernachtungshöhe 4.390 m - Frühtemperatur 0 °C



Die Nacht war unruhig. In der Nacht ist noch eine andere Gruppe angekommen und sehr früh zum Gipfel aufgebrochen. Auch wir brechen nach Sonnenaufgang auf. John hat es sehr eilig. Er will früh auf dem Gipfel sein, weil schon um die Mittagszeit Wolken aufziehen können. Der Weg führt uns zuerst eine Stunde lang flach an den Steilaufschwung des Gipfelmassives heran. Immer wieder begeistert uns die schöne Flora und ein großartiger Blick zurück zu den Steilklippen des Gorge Valleys. Dann wird´s richtig steil. Auf gutem Serpentinenpfad geht es eine lange Geröllhalde hinauf zu einem kleinen Pass in ca. 4.700 m Höhe. Von dort queren wir im auf und ab unter ersten Schneeresten und Schrofen hinüber zur Austrian Hut. Diese Hütte ist im wesentlichen als Bergsteigerunterkunft für Kletterer gedacht. Die Höhe macht sich zunehmend bemerkbar. Langsam steigen wir in einer knappen Stunde über Geröll, kleine hartgefrorene Schneefelder und Felsblöcke zum Gipfel, den wir gegen 11:30 Uhr erreichen. Wir genießen einen grandiosen und ungewöhnlich wolkenlosen Ausblick, fallen uns glücklich in die Arme und beglückwünschen uns zum ersten Gipfel in diesem Urlaub. Nach 20 Minuten wird uns kalt, es pfeift ein eisiger Wind. Nun folgt eine "klassische" Überschreitung des Point Lenana. Über einen sehr steilen Pfad gelangen wir an der Ostseite des Gipfels hinunter Richtung Simba Col. Unsere Träger sind mit Gepäck direkt über diesen Pass in 2:30 Std. zum Camp und haben bereits die Zelte aufgebaut. Wir müssen nicht ganz hinüber zum Pass sondern steigen über eine Moräne zum Teil weglos zur Kami Hut (4.390 m). Das Camp ist wunderschön gelegen an einem See mit vielen Senezien am Fuße der eindrucksvollen Nordwand des Bation. Abends folgt wie üblich ein leckeres aber kaltes "open air dinner" mit Schweinesteaks und Kartoffeln und wieder viel Tee. Wind kommt auf und wir verschwinden um 19:00 Uhr in unseren Zelten.


4.7.02 - 7. Tag

Kami Hut – Hausberg col – Two Tarn Hut – Mackinders Camp - Gehzeit ca. 3 Std. - Aufstieg ca. 450 m (mehrmals kurze Anstiege), Abstieg ca. 650 m - Übernachtungshöhe 4.170 m - Frühtemperatur 0 °C

Heute mal lange geschlafen. Wir gehen erst um 9:00 Uhr los und umrunden in der letzten Etappe den Mount Kenya. 3 Höhenzüge überwinden wir in ca. 3 Stunden. Gemütliche Wanderung vor eindruckvoller Bergkulisse entlang den Nordwestabstürzen des Bations. Bei dieser Nordumrundung müssen mehrere felsige Rippen, die talswärts ziehen, gequert werden, so dass wir ständig am Auf- und Absteigen sind. Leider ist das Wetter sehr unafrikanisch stürmisch kalt. Auf den kleinen Pässen können wir die grandiose Landschaft nicht richtig genießen. Der Bation hüllt schon den ganzen Tag sein Haupt in dunkle Wolken. Die Seen von Two Tarn Hut böten eine ausgezeichnete Gelegenheit für eine ausgiebige Rast an einem gemütlichen Wandertag. Stattdessen mobilisieren wir unsere vorhandenen Klamotten und Handschuhe und machen uns ohne Pause auf zum Abstieg ins Mackinder Camp (ca. 4.200 m). Nachmittags vertreiben wir uns bei jetzt schönem Wetter die Zeit in der Sonne mit Fotografieren und schwatzen viel. Zur Unterhaltung tragen die zahmen und frechen Klippschliefer bei, die uns auf den Schoß hüpfen. Der Bation gibt abends in der untergehenden Sonne eine wunderschöne Abschiedsvorstellung anlässlich unseres letzten Tages am Mount Kenya. Abendessen heute drinnen in der Hut, wir genießen das Sitzen auf einer Bank und den Ausblick auf den Berg. Abends Besprechung wegen der Trinkgeldzahlungen am nächsten Tag. Ausnahmsweise gehen wir spät (20:00 Uhr) 'zu Bett'. Gabi hat noch immer Kopfschmerzen, Martin Nasenbluten - die Luft der letzten Tage war trocken.

5.7.02 - 8. Tag

Abstieg Mackinders Camp – Meteorologische Station (3100 m) - Gehzeit ca. 4:30 Std. - Abstieg ca. 1.100 m - Übernachtungshöhe 1.900 m - Frühtemperatur 3 °C Fahrt zur Naro Moru River Lodge

5:45 Uhr wecken, 6:30 Uhr Frühstück, 7:00 Uhr Abmarsch, John weiß, warum wir so früh aufbrechen. Er bringt uns hinunter zur Met Station. Wir gehen durch wunderbare Landschaft und genießen ein letztes Mal die einzigartige Vegetation.Dabei versuchen wir vergeblich, Colibris an den Riesenlobelien zu fotografieren. Je weiter wir nach unten kommen, desto rutschiger und morastiger wird es. Dank Johns Drängen auf einen frühen Aufbruch durften wir noch tolle Morgenstimmungen am Mount Kenya genießen, bevor uns die penetranten Quellwolken aus dem Regenwald einholen. Aber wir bleiben trocken. Der Wechsel in den Regenwald ist wie der Wechsel in eine andere Welt. Auch die Telekommunikation funktioniert ab hier wieder, Martin erreicht wieder Mobilfunknetze. Unser Mercedes-Lkw ist vor der vereinbarten Zeit da. Richard hält eine kurze Dankesrede und die Träger erhalten ihr wohlverdientes Trinkgeld für die vergangenen Tage.

Trinkgelder: guide: 50 US$ - cook: 30 US$ - porter: je 10 US$

Der Mercedes, wieder die Giant Lobelia, fährt zum Teil haarsträubende Wege weiter hinab durch den Regenwald, vorbei am Nationalpark Gate, wo wir uns aus den Büchern austragen müssen. Unser Guide muss den von uns produzierten Müll vorweisen! Unterwegs laden wir nahe Naro Moru einige unserer Träger ab. Zurück in der Lodge bescheinigen wir John tadellose Arbeit, gute Organisation und leckere Küche. Wir erhalten eine Urkunde, die bescheinigt, dass wir alle den Point Lenana bezwungen haben. Wir verschwinden ins Restaurant, vertilgen zähe Steaks. Die Jungs freuen sich aufs erste Bier, die Mädels auf die erste Dusche seit einer Woche. Wir packen für den nächsten Tag für den fliegenden Wechsel nach Arusha zum Kibo und treffen uns abends im Restaurant, wo Martin den Einstand zu seinem ersten 4000er gibt.


6.7.02 – 9. Tag

Fahrt Naro Moru - Nairobi (ca.3 Std) – Arusha (ca.4 Std.)

Nach kalter Nacht in der Lodge fährt uns Paul in rasantem Tempo nach Nairobi. Die Wolken hängen tief, es nieselt – wie im November. Im Verkehrsstau von Nairobi müssen wir die Autotüren von innen verriegeln, Kameras und Geld müssen irgendwo unsichtbar gemacht werden. Nairobi wird in Nairobbery umgetauft. Wir werden am Hotel Stanley abgesetzt, wo uns Mitarbeiter der tansanischen Agentur gegen 13 Uhr abholen sollen. Es bleibt noch genug Zeit. Martin verschwindet im Internet Cafe. Im Großstadttrubel haben wir keine Lust auf einen Bummel – vertrödeln die Zeit in der Hotelbar. Die Organisation klappt wie am Schnürchen. Überpünktlich steht unser Abholdienst vor der Tür.

Es geht südwärts. Landschaft und Wetter ändern sich schlagartig. Es wird sonnig und heiß. Auf einer schmalen Asphaltstraße, auf der man gut rasen und waghalsige Überholmanöver unternehmen kann, geht´s durch die Nordsteppe des Massai-Landes. Autofahren wird hier zum Abenteuer und ist gefährlich, dagegen hilft auch keine Malaria-Pille wie Martin provozierend feststellt. Landschaftlich ist es so, wie man sich Afrika im Film vorstellt. Weite Buschsavanne, Schirmakazien, Antilopen, Massai-Dörfer und viele Massai mit ihren Viehherden. Leider lassen sich die Massai nicht fotografieren, sie werden sofort aggressiv oder verlangen harte Dollars fürs Ablichten. Der Grenzübertritt bei Namanga ist unproblematisch. Hauptsache, die 20 $ fürs Tansania-Visum liegen im Pass. Die Gelbfieberimpfung interessiert niemand. Auf der Weiterfahrt erahnen wir im Dunst erstmals den Kilimandscharo, dann taucht der Mt. Meru mit seinen 4.565m auf. Diesen Vulkankegel müssen wir noch umrunden. Die Landschaft wird wieder grün und intensiv landwirtschaftlich genutzt. Am Spätnachmittag erreichen wir Arusha und werden im Hotel Impala, einem entsetzlich verschachtelten, mondänen Schuppen untergebracht. Abends lernen wir Mr. Roman, den Leiter von equatorial safaris kennen. Er bringt Clemence mit, unseren Bergführer für die Kili-Tour. Viel zu besprechen haben wir nicht mehr. Der Abend wir gekrönt durch das kulinarische Hochereignis dieses Urlaubes, ein indisches Dinner im Hotel.

Kilimanjaro (Uhuru-Peak 5.895 m, Gilman´s Point 5.680 m)

Die Besteigung des Kibo´s ist geprägt von der Vielfalt der Vegetationszonen, die im Laufe der Tour bis zum ewigen Eis durchquert werden müssen. Je nach Route beträgt die Besteigungsdauer 5 –7 Tage. Länger ist besser – ein Reserve- oder Akklimatisationstag erhöht die Gipfelchance, die am Kibo trotz einfachen Zustiegen wegen der Höhe erstaunlich gering ist. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass eine gute Akklimatisation und Kondition die Grundvorraussetzungen für den Erfolg sind.

Das gesamte Bergmassiv ist Nationalpark, in dem sehr strenge Regeln gelten. Eine Kibo-Tour ist nur in Begleitung eines einheimischen Führers und unter Mitnahme von normalerweise 2 Trägern pro Tourist erlaubt. Individualtouristen gehen leer aus. Es gelten strengste Müllregeln! Die Guides müssen nach Tourende volle Müllsäcke abliefern – sonst droht Lizenzentzug. Diese Regelung hat sehr positive Auswirkungen – die Camps sind blitzsauber (Stand 7/2002), die Toilettenanlagen passabel und die "bush-toilets" können geschont werden.

Viele Wege führen zum Gipfel. Am häufigsten wird die Marangu-Route benutzt, der sog. Normalweg. Hier darf nur in den vorhandenen Hütten übernachtet werden. Zelten nicht erlaubt. Der Andrang ist groß, und die Zahl der Schlafplätze begrenzt. In der Hauptsaison ist eine rechtzeitige Voranmeldung, am besten über einen entsprechenden Veranstalter in Europa sinnvoll. Gilt für die anderen Routen auch. An allen anderen Routen wird gezeltet. Die Nächte können sehr kalt werden. Wir hatten im höchsten Lager auf 4.700 m –7°C. Einzelne Lager haben kein Wasser (Kibo Hut, Barafu Camp), das Trinkwasser muß weit mitgetragen werden - und dabei heißt es immer trinken, trinken, trinken. Für ausgiebige Waschungen ist kein Wasser da.

Die Routenwahl ist vorgegeben. Nur die Marangu-Route darf im Auf- und Abstieg begangen werden – für alle anderen Wege gilt one-way - außer bei Notfällen. Wer eine bestimmte Route im Aufstieg wählt, muß die vorgegebene Abstiegsroute benützen.

Wir wollten dem Kibo-Rummel entgehen, und wählten die laut Führer einsame (?) und schönste, weil landschaftlich sehr abwechslungsreiche Machame-Route im Südwesten des Berges. Abstieg über die Mweka-Route, die allerdings im Sommer 2002 ab Barafu-Camp abwärts wegen starker Erosionsschäden gesperrt war. Es wurde eine wesentlich längere Alternativroute eingerichtet mit dem Rau-Camp (3.315 m) als letztes Abstiegscamp. Man kommt oberhalb von Moshi `runter.

Die Machame Route führt über Machame Camp (ca. 3.080 m) zum Shira-Camp am gleichnamigen Plateau (ca. 3.800 m). Von dort geht´s über den Lava-Tower oder knapp darunter vorbei zum Barranco-Camp (ca. 3.950 m). Die meisten Gruppen ziehen dann weiter in 2 oder 3 Tagen über Karanga-Valley und Barafu-Camp zum Gipfel, der Kraterrand wird am Stella-Point erreicht. Wir wählten den direkten Zustieg durch die Western Breach Wall. Dazu sind wir von Barranco zum Arrow Glacier Camp aufgestiegen. Das Lager kann auch direkt über Lava-Tower Camp angepeilt werden, ist aber aus Akklimatisationsgründen nicht zu empfehlen. Der Pfad durch die Western Breach Wall ist durchweg sehr steil und bewegt sich im Geröll und Schrofengelände, das vereinzelt unschwierige kurze Klettereinlagen verlangt. Gute Ortskenntnisse des local guides sind dringend erforderlich, vor allem im Stockdunkeln beim so "beliebten" und kalten Mitternachtsbergsteigen. Heikel können Vereisungen werden – Leichtsteigeisen sind dann sinnvoll. Bei schlechten Witterungsverhältnissen kann diese Route gefährlich werden. Auch auf Steinschlag muß geachtet werden. Bei guten Verhältnissen ist diese Route für geübte Bergwanderer aber machbar und wird zum Erlebnis. Der Kraterrand wird in ca. 5.700 m auf Höhe des Furtwängler Gletschers erreicht. Von dort sind es dann noch ca. 150 steile Geröllmeter bis zum Uhuru-Peak. Abstieg am Kraterrand entlang zum Stella-Point und nach Barafu.

7.7.02 - 10. Tag

Arusha - Machame village – Nationalpark-Gate (ca. 1.860 m) Machame Camp (ca. 3.000 m) - Aufstieg ca. 1.200 m, Gehzeit 5:30 Std.

Heute stehen wir noch früher auf als sonst: Frühstück 5:30 Uhr, unser neuer Guide Clemence holt uns ab, Abfahrt 7:45 Uhr. Auf der Straße nach Moshi fahren wir etwa 45 Min. bis zur Abzweigung nach Machame Village. Bei der ersten freien Sicht auf den Kili halten wir - und sind beeindruckt vom Postkartenmotiv "Kiligipfel über Wolkenkranz". Der Anblick schafft Respekt und wir werden etwas stiller, um nicht zu sagen kleinlaut. Im Machame Village kaufen wir noch Wasser für den heutigen Tag und Batterien. Der Toyota-Landcruiser schafft die Auffahrt über die holprige Straße bis zum Nationalpark-Gate auf ca. 1.800 m. Während der Fahrt springen schon zwei Träger auf und fahren mit uns mit. Wenn es geregnet hätte, müssten wir zu Fuß zum Gate (1,5 h), das bleibt uns aber erspart. Wir haben auch wieder unsere Stockschirme dabei, vermutlich regnet es deshalb nicht. Am Gate selbst ist ziemlich viel Betrieb. Das soll also die große Einsamkeit der Machame-Route sein??? Richard und Clemence tragen uns in die Bücher ein. Das Team ist schnell zusammen gestellt, alles alte Bekannte von Clemence. Langsam ziehen wir mit unserem neuen Koch Gibson los. Es geht überwiegend flach ansteigend hinauf, dabei überwinden wir eine große Horizontalentfernung. Zuerst geht´s über weichen Regenwaldboden, der uns aber rasch zu weich wird - bald wird klar, warum diese Route "Machame" (sprich Matsch - ame) heißt. Wir versinken buchstäblich im Matsch, das soll auch die nächsten 5 Stunden so bleiben. Irgendwo auf einer Lichtung machen wir Lunch, und Gibson zeigt, was er kann. Rohkostplatte im Regenwald - wir sind zufrieden. Der dichte Regenwald fasziniert mit seinem üppig feuchten Wildwuchs, allerdings müssen wir dem ewigen Kampf mit dem Matsch mehr Aufmerksamkeit widmen. Schlingernd und rutschend geht’s vorwärts. Die vielen Leute hier beginnen zu nerven. Vom Mount Kenya sind wir anderes gewohnt; Einsamkeit, überwiegend jedenfalls. Hier spaziert eine Gruppe von sage und schreibe 32 Dänen gen Kili, jeder, wie wir, mit zwei Trägern, macht nach Adam Riese 32+64+5+10, auf jeden Fall über 100 Menschen, die Richtung Gipfel ziehen. Nach fünfeinhalbstündiger Schlammschlacht erreichen wir am Ende der Regenwaldzone die kleine trockene Lichtung des Machame Camps. Das Camp kann die Massen kaum aufnehmen. Nachdem auch die Nachzügler irgendwo noch ihr Zelt hingequetscht haben, ist der ganze Platz von Zeltschnüren eingewoben, wir kommen uns vor wie gefangen im Spinnennetz. Bloß nachts nicht irgendwo drüber stolpern... Unsere Stimmung ist etwas gedrückt. Nur der Blick auf den Kibo mit seinen Gletschern lässt uns hoffen. Der Komfort, der uns auf dieser Tour geboten wird, ist erstaunlich: wir essen im Messzelt, jeder hat seinen eigenen Löffel, ständig wird uns heißes Wasser gebracht. Wir halten es bis 21 Uhr aus, draußen ist es kalt geworden - und laut, wie auf einem Campingplatz eben. Wie gut, dass es Ohropax gibt...

8.7.02 - 11. Tag

Machame Camp – Shira Camp (ca. 3.800 m) - Aufstieg ca. 850 m, Gehzeit 3:30 Std. - Frühtemperatur 3°C
Wir werden um 6:30 Uhr mit einer heißen Tasse Tee geweckt, im Lager rumort´s, Kocher zischen. Komfortfrühstrück mit allem drum und dran: Kaffee, Tee, Kakao, Tomaten, Gurken, Würstchen, Omelett und Cornflakes. Um 8:30 zieht die Karawane hinauf zum Shira Plateau auf ca. 3.815 m, immer Pole Pole - schön langsam eben. Über die Beschreibung dieses Abschnitts in Karins Outdoorbuch schütteln wir den Kopf. Schwierig und gefährlich finden wir diesen Abschnitt keineswegs. Die Landschaft ist traumhaft. Auf einer Rippe geht es in kurzen steileren Absätzen durch Baumheide, die Hänge sind übersät mit rotweiß blühenden Strohblumen. Wir passieren die ersten Lavaschrofen. Über uns haben wir immer den Kili im Blick, unter uns wabert ein dichtes Wolkenmeer, aus dem im Westen die Pyramide des Mt. Meru herausragt. Wir haben schönstes Wetter, keinen Wind. Ein riesiger Lindwurm kriecht den Hang hinauf. Wir haben Mühe, an den 32 Dänen vorbeizukommen. Es ist interessant, was sich so alles am Berg tummelt. Da ist ein Japaner mit hochrotem Kopf und Umhängetasche mit Rädchen – wann er die wohl benutzen kann? Oder die alte Dame aus Südafrika, vermutlich mit Enkel unterwegs – wir schätzen sie auf weit über 70. Sie wird liebevoll Miss Sophie getauft. Und der kühle, "akzentfreie" Deutsche, der pulsuhr-kontrolliert marschiert. Ob sie alle den Gipfel erreicht haben wissen wir nicht, da wir im Gipfelbereich von der "Rennstrecke" abgewichen sind. Die Träger balancieren schwere Lasten auf dem Kopf. Der Aufstieg ist nicht sehr lange – es ist genug Zeit für eine ausgiebige Lunchpause. Die Dänen speisen an einer riesigen Tafel. Am frühen Nachmittag erreichen wir mühelos die flache Kraterschüssel des ehemaligen Shiravulkans. Die Akklimatisation am Mt. Kenya macht sich bezahlt - Höhenprobleme sind kein Thema mehr. Das Camp ist sehr weitläufig und wunderschön gelegen, die vielen Leute stören nicht mehr. Wir verbummeln einen gemütlichen Nachmittag und versuchen, mit einer einzigen Schüssel Wasser den allgegenwärtigen schwarzen Vulkanstaub los zu werden – ein sinnloses Unterfangen. Während abends alle Bergaspiranten leiblichen Genüssen frönen, werden wir Zeugen eines einzigartigen Sonnenuntergangs hinter dem Mt. Meru und den Zacken des Shira-Kraters. Ganz alleine stehen wir in der goldenen Abendsonne und lassen die zauberhafte Stimmung auf uns wirken. In der rasch hereinbrechenden Dunkelheit taucht zuerst die Venus auf, dann ist der ganze Himmel übersät mit Sternen. Welch ein schöner Tag. Um 20 Uhr geht´s auf die Matratzen, wieder steht eine lange Nacht bevor.

9.7.02 - 12. Tag

Shira-Camp – Barranco (3.950 m) über Lava Tower (4.600 m) - Frühtemperatur 1°C - Aufstieg 800m, Abstieg 650 m, Gehzeit 5 – 5:30 Std.

7:00 Uhr wecken, 7:30 Uhr Frühstück. Eine Stunde später geht´s mit Lunchpaket ausgestattet einen langgestreckten Höhenzug hinauf Richtung Lava Tower. Die Landschaft ändert sich auf´s Neue. Heute passieren wir ausgedehnte Lavawüsten mit großen schwarzen "Steineiern", zwischen denen die letzten gelben Blümchen stehen. Wir kommen der Western Breach Wall und den Gletschern immer näher. In 4.400m Höhe zweigt der Southern Summit Circuit ab – eine Möglichkeit, direkt nach Barranco abzusteigen. Wir steigen noch weiter auf zum großen Klotz des Lava-Tower und machen Mittagspause auf 4.560 m. Nachmittags Abstieg in den Taleinschnitt von Barranco. Hier gibt´s einen rauschenden Gebirgsbach, die einzige gute Waschgelegenheit der Tour. In diesem schluchtartigen Taleinschnitt wabern bevorzugt Wolken. Es ist recht kalt. Das Lager liegt direkt unter der Western Breach Wall und den Gletschern. Durch das ständige Sonnen- und Wolkenspiel bieten sich immer neue Fotomotive! Hier bleiben wir, um uns einen Tag zu akklimatisieren. Das Camp liegt im Schatten der Berge. Eine lange kalte Nacht folgt... – abends 0 °C.

10.7.02 - 13. Tag

Barranco Hut - Ruhe- und Akklimatisationstag - Übernachtungshöhe 3.960 m - Frühtemperatur - 1 °C



Martin muss um 5 Uhr mal raus und sieht in der Wand, die wir übermorgen gehen wollen, mehrere "Glühwürmchen" Richtung Gipfel krabbeln und kurz darauf ist ein Jauchzen zu hören. Na, die müssen ja Puste übrig haben. Um 8:30 Uhr endlich Sonne. Wir haben Zeit und schauen dem Lindwurm zu, der sich die "breakfast" genannte fast senkrecht imponierende Wand des Weiterweges zum Karanga-Valley hochquält. Nach gemütlichem Frühstück kraxeln wir zur Akklimatisation und Zeitvertreib selbst durch die Wand – es ist viel harmloser, als es von unten aussieht. Nach 200 Höhenmetern oben angekommen, brechen wir aber ab, weil aufkommende Wolken keine Aussicht versprechen. Lunch um 13 Uhr im Camp. Nachmittags bleibt genügend Zeit für Trinkgeldbesprechung und Planung des Ablaufes der nächsten 2 Tage. Gepackt werden muß in 2 Kategorien. Knapp kalkuliert wird das Gipfelgepäck, v.a. warme Kleidung, Schlafsack und Matten, Steigeisen (???), etwas Proviant. Einige Träger gehen mit uns zum Arrow Glacier Camp und tragen dann die Zeltutensilien wieder hinunter. Gemeinsam mit den übrigen Trägern gehen sie über den Southern Summit Circuit zum Barafu-Camp, das wir via Gipfel ebenfalls erreichen wollen. So langsam macht sich eine gewisse Gipfelunruhe breit. Werden wir es schaffen? Clemence rechnet mit einer Gehzeit von bis zu 14 Std.- Aufbruch um Mitternacht.

11.7.02 - 14. Tag

Barranco – Arrow Glacier Camp (4.875 m) - Frühtemperatur 3 °C, Aufstieg knapp 1.000 m, Gehzeit ca. 4 Std.

8:30 Uhr Frühstück, 9:30 Uhr Abmarsch mit halbierter Trägerzahl zum Arrow Glacier Camp auf 4.875 m. An einem gefrorenen Wasserfall vorbei geht es über Lavaschutt hinauf zum Arrow Glacier Camp. Jetzt sind wir ganz allein. Vor uns steilt die Western Breach Wall auf mit ihren erstarrten Lavasäulen. Da sollen wir hinauf? Trotz intensiven Fernglas-Studien bleibt uns der Pfad durch die Wand verborgen. Auch im Nachhinein ist uns unklar, wo wir eigentlich durch geklettert sind. Das Camp liegt sehr sonnig auf einer Geröllhalde direkt unter der Wand. 100 m weiter östlich zieht eine Gletscherzunge talwärts. Immer wieder hören wir Steinschlag. Als Vorbereitung auf eine kurze Nacht gibt´s schon um 17 Uhr Dinner. Die Trinkflaschen müssen gefüllt werden. 2 Liter pro Person, die in der zu erwartenden Kälte gefriergeschützt aufbewahrt werden müssen. Mit gemischten Gefühlen verschwinden wir sehr früh in den Zelten.

12.7.02 - 15. Tag

Gipfeltag Arrow Glacier Camp (4.875 m) – Uhuru Peak (5.895 m) – Barafu Camp (4.600 m) – Rau-Camp (3.315 m) - Frühtemperatur –7 °C, am Gipfel schätzungsweise – 15 °C mit viel Wind (Chill-Faktor!) - Aufstieg 1.055 m, Abstieg ca. 2.610 m, Gehzeit 11:30 Std.

Wecken um Mitternacht, keiner hat gut geschlafen. Es gibt Tee, wir würgen einige trockene Kekse hinunter und stolpern 0 Uhr 40 hinaus in die Nacht bei –7 °C. Der Kreislauf will um diese Zeit und unter diesen Bedingungen mit Kälte und wenig Sauerstoff nicht so richtig. Niederträchtige "was mach ich hier bloß?" - Gedanken müssen zuerst überwunden werden... Wir gehen im Schneckentempo durch die Wand und wundern uns, dass Clemence mit seiner Funzel überhaupt den Weg findet. Athanas begleitet uns als Co-guide. Anfangs sind noch Steigspuren vorhanden, dann wird´s zunehmend gerölliger mit kurzen senkrechten Schrofenpassagen. Rechts und links von uns ziehen Schneefelder hinunter. Steigeisen brauchen wir zum Glück nicht. Bei optimalen Verhältnissen wird’s nirgends richtig schwierig. Von den laut Führer erwähnten sehr exponierten Passagen sehen wir in der Dunkelheit nichts. Nach 5 Stunden und 45 Minuten erreichen wir bei Dämmerung den Kraterrand auf 5.735 m. Es ist 6 Uhr. Keiner ist mehr taufrisch und Martin geht mit Athanas völlig erschöpft unter Verzicht auf den Uhuru-Peak eben durch den Krater direkt zum Stella-Point. Karin, Gabi, Wolfgang und Richard gehen mit Clemence die restlichen 150 Höhenmeter über einen steilen Aufschwung zum Uhuru-Peak. Wir erleben einen grandiosen Sonnenaufgang. Überglücklich und erschöpft liegen wir uns am Gipfel in den Armen. Es ist ein erhebendes Gefühl, endlich nach langer Vorbereitung und Mühen auf dem Dach Afrikas zu stehen und auf die fantastischen Stufengletscher und das Wolkenmeer unter uns zu starren. Leider ist es sehr kalt – wir können nicht lange bleiben. Dafür sind wir allein am Gipfel – wo sind denn die Massen alle geblieben? Flach geht es den breiten Kraterrand an den Gletscherfeldern entlang zum Stella-Point (ca. 5.700m), wo der eigentliche Abstieg beginnt. Durch lockeres Geröll abfahrend erreichen wir das schon lange sichtbare Barafu-Camp (4.700m) gegen 10 Uhr, wo Martin bereits wartet. Das Camp ist wasserlos, staubig und der Untergrund würde jeden Fakir entzücken. Nach kurzer Pause steigen wir todmüde weiter ab – jetzt über die wesentlich weitere Mweka-Alternativroute. Ewig langgezogen läßt sich der Pfad am Horizont verfolgen. Kurze Gegenanstiege nerven. Die bis zum Camp ab Barafu angegeben 3 – 4 Std. unterbieten wir und erreichen das in der Heidelandzone liegende Rau-Camp nach 2:30 Std. Alle sind glücklich, aber auch erschöpft, so dass wir erst einmal ein Nachmittagsschläfchen einlegen. Abends füllt sich das Camp. Es wird wieder turbulent, aber das stört uns jetzt nicht mehr.


13.7.02 - 16. Tag

Abstieg zum Nationalparkgate (ca 1.830 m) - Frühtemperatur 5 °C - Aufstieg 115 m, Abstieg 1.580 m, Gehzeit 5:15 Std. - Fahrt nach Arusha, Hotel Impala

Heute gibt´s Restefrühstück - unübersehbare Anzeichen für das nahe Tourende. Aufbruch um 7 Uhr, zunächst weiter durch sonnendurchflutete Heidelandschaft, später kommt Regenwald. Eine wunderschöne Flora und der Kibo hinter uns sind nochmals ideale Fotomotive. Dank Stockschirme kein Regen und der Matsch ist auch gnädig mit uns. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir das Gate. Richard übernimmt in bewährter Manier die Trinkgeldübergabe und Ansprache. Clemence freut sich besonders über Karins Stirnlampe und erhält noch 40 US$. (Koch Gibson 50 US$, Emanuel – kitchen boy und ständiger Wasserlieferant 18 US$, 2 Porter mit Küchendienst je 16 US$, Athanas, assistant guide 30 US$, übrige Porter je 12 US$). Max, der Fahrer von Equatorial Safaris bringt uns nach Arusha ins Hotel Impala zurück. DUSCHEN !!! Selbst nach dem 3. Waschgang sind Haare und Fingernägel noch nicht sauber. Martin kann endlich seine Entzugserscheinungen mit einem (?) eisgekühlten Castle Lager bekämpfen. Schon wieder packen, diesmal für die Safaritour. Abends kommt ein blitzsauberer Clemence ins Hotel und überreicht uns die Besteigungsurkunden vom Uhuru-Peak. Wir laden ihn zum Abendessen ein.

Safari in den Nationalparks (14.7. – 18.7.2002) - zur Fortsetzung hier

Berg- und Reisemedizin
Diese Informationen sollen lediglich eine kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Gesundheitsvorsorge für eine Reise nach Ostafrika mit Besteigung von Mt. Kenya und/oder Kilimandscharo geben und können keinesfalls eine persönliche Beratung durch einen erfahrenen Reisemediziner oder aktuelle Informationen durch reisemedizinische Informationsdienste, Gesundheitsämter oder Tropeninstitute ersetzen. Für die gemachten Angaben kann keine Haftung übernommen werden.
Eine wichtige Information vorab:
Die größten Gefahren lauern auf den afrikanischen Strassen. Autofahren in Ostafrika ist gefährlicher als alle Tropenkrankheiten zusammen.
Empfohlene Schutzimpfungen für eine Reise nach Ostafrika sind:
-   Tetanus (Wundstarrkrampf)
-   Polio (Kinderlähmung)
-   Diphtherie
-   Hepatitis A (Aktivimpfung)
-   Gelbfieber (bei Grenzübertritt von Tanzania nach Kenia oder umgekehrt ist diese Impfung Pflicht, Impfung nur durch autorisierte Impfstellen möglich, z.B. Gesundheitsämter, Tropeninstitute)
Folgende Impfungen sind entbehrlich:
-     Typhus
-     Cholera
Viel wichtiger als diese beiden nur unzureichenden Schutz bietenden Impfungen ist das korrekte Verhalten beim Essen. Es gilt: „cook it, peel it or forget it“, d.h. nur essen, was gekocht ist oder geschält werden kann (nur abgekochtes Wasser trinken, keine frischen Salate, Eis etc.)
Malaria:
Malaria ist die häufigste lebensbedrohliche importierte Infektionskrankheit im internationalen Reiseverkehr (in Deutschland pro Jahr ca. 1000 Fälle, davon 20-30 tödlich). Übertragen wird die Krankheit durch die Anopheles-Mücke, die dämmerungs- und nachtaktiv ist, lautlos fliegt und schmerzlos zusticht. Sie kommt in Höhen bis ca. 2000 m vor (Nairobi ist weitgehend malariafrei).


Eine Impfung existiert nicht. Eine ganz besondere Bedeutung kommt der Expositionsprophylaxe (Vermeidung von Mückenstichen) zu: abends möglichst wenig Aufenthalt im Freien, langärmlige Kleidung und Mückenschutzmittel, nachts mit Mückenschutzmittel eingesprühte Moskitonetze über dem Bett.
Eine medikamentöse Prophylaxe sollte auf jeden Fall durchgeführt werden, wenn außer den Bergbesteigungen auch Safaris oder ein Aufenthalt an der Küste geplant sind. Falls ausschließlich Bergbesteigungen geplant sind, kann evtl. die sog. Standby-Methode gewählt werden, d.h. Einnahme von Malariamitteln nur bei Malariaverdacht.
Zur Zeit (August 2002) wird für Ostafrika Lariam zur Prophylaxe empfohlen. Lariam ® verursacht in nicht ganz seltenen Fällen (Häufigkeit bis zu 1:100) Schwindelanfälle, Gleichgewichtsstörungen, Angstzustände und Bewusstseinsstörungen. Seine Einnahme ist deshalb beim Höhenbergsteigen nicht unproblematisch. Die Verträglichkeit muss aus diesem Grund unbedingt vor Urlaubsantritt getestet werden. Eine Alternative ist Malarone ®, ein sehr gut verträgliches Medikament, das vor kurzem für die Malariaprophylaxe zugelassen wurde. Allerdings ist der Preis sehr hoch (Tagestherapiekosten ca. 4,65 Euro, d.h. ca. 130 Euro für 3 Wochen Ostafrika).

Schlafkrankheit:
Diese Infektionskrankheit wird durch die Tsetsefliege übertragen und ist relativ selten. Die Tsetsefliege kommt am Lake Manyara, sowie im Tarangire-Nationalpark vor. Eine medikamentöse Prophylaxe gibt es nicht, deshalb kommt auch hier dem Mückenschutz eine überragende Bedeutung zu. Die Ansteckungszeit beträgt ca. 2-3 Wochen, d.h. die Krankheit tritt in der Regel erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub auf.
Wichtig:
Bei jedem Fieber in den ersten Wochen nach der Rückkehr aus Ostafrika muss schnellstmöglich eine Malariainfektion ausgeschlossen werden. Die meisten Todesfälle treten auf, weil Diagnosestellung und Therapie zu spät erfolgen.
Aktuelle länderspezifische Informationen zur Reisevorsorge und zu Tropenkrankheiten bieten folgende Adressen:
-     Travelmed
-     Fit for Travel
Tropeninstitute:
-     Tübingen
-     Hamburg
Höhenanpassung - Höhenkrankheit
Ab Höhen von 2.500 m kann durch den Sauerstoffmangel die sog. Höhenkrankheit auftreten. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit, Müdigkeit, Reizhusten bis zu Bewusstlosigkeit und schwerer Atemnot. Ursache ist häufig ein zu schneller Aufstieg.
Die beste Vorbeugung beginnt deshalb bei der Urlaubsplanung. Eine Kilimandscharobesteigung ohne vorherige Höhenanpassung bereitet fast immer Probleme. Die Gipfelchancen sind dann meist schlecht. Ideal ist eine Vorbereitungstour in mittlerer Höhe (z. B. Mt. Kenya oder Mt. Meru). Die Touren sollten direkt nacheinander erfolgen, da ansonsten die Höhenanpassung wieder verloren geht. Auf ca. 4.000 m Höhe sollte auf jeden Fall ein Ruhetag zur Höhenanpassung eingeplant werden.
Beim Aufstieg möglichst langsam gehen („pole, pole“), auch wenn es schwer fällt. Gefährdet sind vor allem jüngere Gipfelaspiranten mit guter Kondition, die ihren Ehrgeiz nicht zügeln können. Der Wert einer medikamentösen Vorbeugung der Höhenkrankheit (Diamox ®) ist sehr umstritten. Wichtig ist es, sehr viel zu trinken, da über die verstärkte Atmung in der trockenen, kalten Luft sehr viel Flüssigkeit verloren geht (so viel trinken, dass der Urin immer wasserklar ist).
Bei Anzeichen von Höhenunverträglichkeit nicht weiter aufsteigen. Bei Anzeichen von schwerer Höhenkrankheit (Atemnot, Benommenheit ..) muss sofort abgestiegen werden, auch nachts.
Gute, weiterführende Informationen auch für Nichtmediziner bietet die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e. V. und der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin .
Eine umfassende, auch für Laien verständliche Darstellung gibt das "Handbuch der Trekking- und Expeditionsmedizin" (5. überarbeitete Auflage, 2001) Praxis der Höhenanpassung – Therapie der Höhenkrankheit von Franz Berghold / Wolfgang Schaffert
Erhältlich über:
DAV Summit Club, Am Perlacher Forst 186, D-81545 München
Tel. +49 89 64240-0
info@dAV-summit-club.de
Preis inkl.Versand ca.  17,-- Euro
Reiseapotheke:
Eine Reiseapotheke sollte mitgeführt werden. Eine gut ausgestattete Apotheke des lokalen Trekkingveranstalters kann nicht erwartet werden.
Sie sollte beinhalten:

Persönlich benötigte (Dauer-)Medikamente

Malariaprophylaxe

Insektenschutz (z.B. Autan ®)

Sonnenschutzmittel: wasserfest, hoher Lichtschutzfaktor

Lippenschutz mit Lichtschutzfaktor

Gel gegen Mückenstiche und Sonnenbrand

Antibiotikum (Breitband): nach Absprache mit Hausarzt

Leichtes Schmerzmittel (Höhenkopfschmerz, Fieber): z.B. Aspirin ®, Paracetamol

Starkes Schmerzmittel: z.B. Novalgin ®

Hustenmittel

Durchfall: z.B. Loperamid (Imodium ®), Kohle

Übelkeit:  z.B. Metoclopramid (Paspertin ®)

Lutschtabletten: gegen Halsschmerzen und trockene Schleimhäute (sehr häufiges Problem in der Höhe)

Verbandszeug: Hansaplast ®, Leukoplast ®, Wundgaze, elastische Binde, Dreieckstuch, kleine Schere, Pinzette etc.
  Copyright © 2011 - Martin Kalus - Alle Rechte vorbehalten.

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